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Anfänge (6): «Behold the Dreamers» von Imbolo Mbue

Aktualisiert: 6. Aug 2019

He’d never been asked to wear a suit to a job interview. Never been told to bring along a copy of his résumé. He hadn’t even owned a résumé until the previous week when he’d gone to the library on Thirty-fourth and Madison and a volunteer career counselor had written one for him, detailed his work history to suggest he was a man of grand accomplishments: farmer responsible for tilling land and growing healthy crops; street cleaner responsible for making sure the town of Limbe looked beautiful and pristine; dishwasher in Manhattan restaurant, in charge of ensuring patrons ate from clean and germ-free plates; livery cabdriver in the Bronx, responsible for taking passengers safely from place to place.

Imbolo Mbue: Behold the Dreamers. Random House, New York, 2016.


Der Malcolm X Boulverad in Harlem, Mai 2019 (Foto: Janine Haas)

Und so geht's weiter:

Er – Jende Jonga, der zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn aus Kamerun nach New York ausgewandert ist – kriegt den Job. Doch damit beginnt die schöne und zugleich tragische Geschichte erst. Am besten liest man das Buch in New York, noch besser in Harlem. Dort leben viele Einwanderer aus afrikanischen Ländern, so auch Jende Jonga und seine Familie. Leider hatte ich es dann schon gelesen. Aber der Kurkuma-Duft, der ab und zu nachts durch das Schlafzimmerfenster unserer Airbnb-Wohnung in der 116. Strasse hereinströmte, brachte die Bilder sofort wieder an die Oberfläche.


In der wundervollen deutschen Übersetzung von Maria Hummitzsch klingt der Anfang so (Das geträumte Land. Kiepenheuer & Witsch, 2017):


Er hatte noch nie im Anzug zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen müssen. Noch nie mit Lebenslauf. Einen Lebenslauf hatte er überhaupt erst, seit ein ehrenamtlicher Berufsberater in der Bibliothek auf der 34. Straße Ecke Madison vergangene Woche einen für ihn geschrieben und seine beruflichen Tätigkeiten einzeln aufgeführt hatte, um ihn als Mann mit beachtlichen Fertigkeiten auszuweisen: Bauer, zuständig für das Bestellen von Feldern und das Einbringen einer ertragreichen Ernte; Straßenkehrer, damit beauftragt, für Glanz und Sauberkeit der Stadt Limbe zu sorgen; Tellerwäscher in einem Restaurant in Manhattan, verantwortlich für blitzblanke und hygienisch einwandfreie Teller zum Wohl der Gäste; Fahrer eines Livery Cabs in der Bronx, zuständig für die sichere Beförderung der Fahrgäste von A nach B.

PS: Ich sammle Anfänge, die Lust machen auf mehr.

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