• Janine Haas

Geschlechtergerecht schreiben – oder wie aus dem Seemann eine maritime Fachkraft wird

Aktualisiert: Mai 20

Beim Schreiben stellt sich immer mal wieder die Frage: Wie kann man/frau beide Geschlechter ansprechen, ohne dass der Text zur Stolperfalle oder unendlich lange wird? Hier finden Sie praktische Tipps aus der Schreibzone.


Liebe Leserin, lieber Leser, die weibliche und die männliche Form zu nennen funktioniert ganz gut, wenn es wie hier nur einmal nötig ist. Doch mit vielen Paarformen wird ein Text rasch schwerfällig. Was also tun? Abkürzungen – ob mit Schrägstrich, Binnen-I oder neuerdings auch Sternchen – stören den Lesefluss, und geschlechtsneutrale Schreibweisen wie Forschende oder Teilnehmende wirken unpersönlich und zum Teil ungewohnt. Während die Mitarbeitenden mittlerweile kein Aufsehen mehr erregen, klingen Zufussgehende zum Beispiel noch sehr exotisch.


Seemänner oder maritime Fachkräfte? Geschlechtergerechte Sprache hat ihre Tücken.

Es gibt aber zum Glück noch andere Möglichkeiten. Manchmal gelingt es, das Geschlecht mit abstrakteren Begriffen wie Person, Fahrgast oder Elternteil zu umgehen. Der Haken: Solche Wörter wirken ebenfalls eher unpersönlich und distanzierend, und manchmal werden sie wegen Stereotypen trotzdem geschlechtsspezifisch verstanden. In anderen Fällen klappt es mit Bezeichnungen wie Team oder Rektorat, welche die Institution oder Funktion in den Fokus rücken. Auch geschlechtsneutrale Pronomen wie wer oder man können eine Ausweichmöglichkeit sein.


Wenn es mit diesen Mitteln nicht klappt, muss man vielleicht noch stärker umformulieren und die Personenbezeichnung ganz weglassen. Die direkte Anrede funktioniert zum Beispiel bei Gebrauchsanweisungen gut, Adjektive können das problematische Substantiv ersetzen, und auch Passivkonstruktionen sind eine Lösung, sofern sparsam eingesetzt. Aus der Hilfe durch einen Arzt/eine Ärztin wird dann zum Beispiel die viel elegantere ärztliche Hilfe.


Praktische Hilfe aus dem Netz

Wer nun den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, findet vielleicht auf der Webseite Geschickt gendern Hilfe. Sie wird von Johanna Usinger ehrenamtlich betrieben und enthält neben Tipps für das geschlechter- und lesegerechte Formulieren ein Genderwörterbuch mit rund 700 Begriffen. Und schwups ist das Problem gelöst: Aus dem Grinsepeter wird eine Grinsebacke, aus dem Männchen eine Spielfigur und aus dem Seemann eine maritime Fachkraft. Das Wörterbuch wird laufend erweitert. Falls Sie also eine gendergerechte Alternative für das Adjektiv bergmännisch oder einen geschlechtsneutralen Feind finden, freut sich Johanna Usinger über Ihre Nachricht: https://geschicktgendern.de/kontakt/


Autorin: Janine Haas, hallo@schreib.zone

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